Beiträge der virtuellen Wandzeitung

Eckehard Bichler: Die kalten Kastanien

Allerheiligen ist wieder geworden, das Fest für die Toten,
mein liebstes Fest einst im Jahrkreis der Feste, als Kind,
ein frohes Fest,

am Grab der anderen stehen, die schon lange tot sind, nie gekannt, wo mögen sie liegen, in ihren Gräbern, von Erde nur bedeckt, die toten Körper, von Fäulnis lange verdorben, kalte Grabsteine, verschwommene Schriften, von der Zeit verblichen, von wucherndem Efeu bedeckt,

indes nur kleine Gedanken an die Toten, indes keine Trauer, der Tod ist dem Kind fremd,
Geruch der heißen Kastanien und lachende Familie,
ein frohes Fest,

verweht sind aber die Gedanken an die leichte Kindheit, wo Tod nichts bedeutet,
kein frohes Fest mehr und alleine an den Gräbern, viele Gräber sind es schon geworden, weil alle tot sind, die ich lieb gehabt habe,

einst greift der Tod auch nach mir und legt mich ins Grab,
und die Lebenden werden kommen und am Grab stehen, nie gekannt,
wo mag er nur liegen in seinem Grab, von Erde nur bedeckt, der tote Körper, von Fäulnis lange verdorben, kalter Grabstein, verschwommene Schrift, von der Zeit verblichen, von wucherndem Efeu bedeckt,

die Kastanien sind kalt geworden.

Eckehard Bichler